
Wismar: Matjes, Stadtgeschichte und ein unvergesslicher Abschied
Der Morgen beginnt im Le Nautilus – dem Hauptrestaurant der Le Champlain – mit einem Frühstück, das einem den Tag genauso sanft eröffnet, wie man sich das von einer Luxuskreuzfahrt mit Ponant erhofft. Frisch gepresste Säfte, Croissants, die noch warm auf dem Tisch landen, und draußen schiebt sich die mecklenburgische Küste langsam ins Blickfeld. Wismar. Eine Stadt, die man nicht einfach so abzuhaken gedenkt.

Kaum an Land, ist das erste Ziel klar: ein Matjesbrötchen vom Kutter direkt am Hafen. Nicht weil man Hunger hätte – das Frühstück sitzt noch bestens. Sondern weil es schlicht das Richtige ist. Dieser milde, leicht säuerliche Biss in frischen Matjes, der Meerwind dazu, der Geruch von Salzwasser und Tang – so schmeckt Nordeuropa. Punkt.
Wismar ist für viele ein Name auf der Landkarte, aber die wenigsten ahnen, wie viel Geschichte in diesen Gassen steckt. Die Hansestadt wurde 2002 gemeinsam mit Stralsund als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet – und das zu Recht. Wer durch die Altstadt schlendert, spaziert an backsteingotischen Kirchen vorbei, deren schiere Größe einen immer wieder überrascht, und über den Marktplatz, der zu den schönsten in ganz Norddeutschland zählt. Aber Wismar hat noch eine andere Geschichte zu erzählen – eine aus der Welt des Handels.
Gewusst? Hier, in Wismar, eröffnete 1881 Rudolph Karstadt sein erstes Geschäft. Damals noch ein bescheidenes „Manufaktur-, Wollwaren- und Confectionsgeschäft“ in der Krämerstraße, mit einem ganz simplen, aber revolutionären Versprechen: feste, für alle gleiche Preise – keine Verhandlungen, kein Feilschen. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, war für die damalige Zeit eine echte Sensation. Aus diesem Wismarer Ursprung wurde schließlich das, was wir alle als Karstadt kennen – eine der größten deutschen Kaufhausketten des 20. Jahrhunderts. Die Keimzelle des deutschen Warenhaus-Gedankens liegt also genau hier, zwischen Backsteinfassaden und Möwengeschrei.
Abfahrt mit Gänsehaut: Wismar verabschiedet die Le Champlain

Pünktlich um 18:00 Uhr löst die Le Champlain die Leinen. Ein Regenschauer hat sich über Wismar aufgebaut – aber der hält die Wismarer nicht vom Kai fern. Ganz im Gegenteil. Was dann passiert, geht direkt unter die Haut: Zwei Soldaten in historischen Uniformen stehen am Ufer, laden ihre Büchsen und feuern mehrfach Salut. Der Knall hallt über das Wasser, weißer Pulverdampf steigt auf. Das Schiff antwortet mit dem tiefen, langgezogenen Ton des Nebelhorns. Gänsehaut, ehrlich gesagt. Wismar, danke für die tolle Verabschiedung!
Gala-Abend an Bord: French Touch in Vollendung

Was für ein Kontrast zum ruhigen Stadttag: Der Abend an Bord startet mit einer Bühnenshow, die man so auf einer Expeditionsyacht nicht unbedingt erwartet. Gesang, Tanz, französische Grandeur – und mittendrin Can-Can-Einlagen, bei denen die Damen Spagats hinlegen, dass der halbe Saal den Atem anhält. Laut, farbenfroh, mitreißend.
Dann der Wechsel ins Le Nautilus zum Gala Dinner. Und das ist französische Küche, wie sie sein soll: ein Tomaten-Himbeer-Tatar als eleganter Auftakt, feiner Hummer, ein zartes Weißfisch-Filet und dann – der Höhepunkt – Beef Rossini. Das ist Rinderfilet auf Gänseleberterrine mit schwarzen Trüffeln. Ein Gericht, das man nicht isst, sondern erlebt. Das Dessert setzt dem Ganzen noch die Krone auf – optisch ein kleines Kunstwerk, geschmacklich der perfekte Schlusspunkt. Französischer Genuss par excellence, mehr lässt sich da kaum sagen.
Blue Eye: Die Bar unter der Meeresoberfläche

Und dann noch das. Die Krönung des Abends. Das Blue Eye öffnet seine Türen – exklusiv für die Gäste an Bord. Die Bar unterhalb der Wasserlinie der Le Champlain ist eine der außergewöhnlichsten Locations auf See: ovale Bullaugen in der Form von Walaugen lassen den Blick ins dunkle Wasser schweifen, ein spezielles Audiosystem überträgt Unterwasserklänge direkt in den Raum. Die blaue Atmosphäre hat etwas Magisches, fast Unwirkliches.
Und in diesem Ambiente singt Nathalie. Eine Stimme, die sich in diesem Raum entfaltet wie kaum eine andere Bühne es erlauben würde. Ihr Repertoire scheint kein Ende zu nehmen – Jazz, Chanson, Pop, Soul. Und dann, völlig unerwartet, stimmt sie „Bohemian Rhapsody“ von Queen an. Mitsingen erlaubt. Begeisterung garantiert. Ein Abend, den man so schnell nicht vergisst.
Diese Nordeuropa-Expeditionskreuzfahrt mit Ponant auf der Le Champlain zeigt einmal mehr, warum ich immer wieder sage: Es ist nie nur das Ziel. Es ist die Summe aus allem – die Stadt, die Menschen, das Schiff, der Abend. Wer mehr über diese und ähnliche Reisen erfahren möchte, findet alle Infos bei Luxus.Kreuzfahrten.net.








